#Engage2016: Die 3 wichtigsten Trends im Digitalmarketing und 3 coole Tools

von Robert Bogner

25. Mai 2016

Die von Socialbakers organisierte Veranstaltung #Engage2016 in Prag hat mich mehr als begeistert. Es war eines meiner schönsten Erlebnisse in letzter Zeit. Eine perfekt organisierte Veranstaltung mit Top-Speakern. Hands-on-Workshops zu aktuellen Themen, in denen mit Menschen, welchen die Begeisterung für digitales Marketing teilen, großartige Ideen geboren worden. Neue Kontakte und hervorragendes Catering rundeten das Event ab.

Diese drei Themen sind mir als die wichtigsten für das digitale Marketing in Erinnerung geblieben:

Videomarketing

Zum Thema Videomarketing wurden uns interessante und teils überraschende Statistiken vorgestellt, welche die Bedeutung der Bewegtbilder verdeutlichen: Online Shopper, die ein Video einer Marke gesehen haben, haben eine 1,8-fach höhere Wahrscheinlichkeit, ein Produkt dieser Marke zu kaufen. 50% der Marketer shiften ihre Budgets weg von klassischer Werbung hin zu Online Videos. Facebook verzeichnet 8 Milliarden Video-Views pro Tag. Weitere Statistiken sind bei izideo zu finden.

Diese beeindruckenden Zahlen machen klar: Wer in Zukunft an digitales Marketing denkt, wird nicht an Bewegtbild vorbeikommen. Reines Bewegtbild reicht aber nicht mehr. Online Videos werden diskutiert und erzeugen Engagement. Dieses Engagement muss in die Planung miteinbezogen werden.

Mit den aktuell aufkommenden Technologien, wie Facebook Live oder Periscope, werden Marken zu Broadcastern und können sich in einem neuen Umfeld, das noch näher und schneller bei der Zielgruppe ist, in Szene setzen.

Die richtige Strategie dafür ist entscheidend. Auf welchen Kanälen befindet sich meine Zielgruppe, was sind die Rahmenbedingungen dieser Kanäle, wie setze ich sie richtig ein, wie findet die weitere Kommunikation statt? Videos, die für Youtube bestimmt sind, haben andere Regeln als welche, die auf Instagram oder Snapchat auftauchen. Während Videos auf Youtube noch nach Jahren Likes abbekommen können und eher HQ-Qualität haben sollten, sind die Videos bei Instagram mit hoher Wahrscheinlichkeit schon nach einem Tag fast unauffindbar im Newsstream der Abonnenten, bei Snapchat sind sie erst gar nicht mehr online. Bei Snapchat können Videos daher durchaus in Low-Fi-Qualität veröffentlicht werden.

Der Großteil der Videoviews findet mobil statt. Das heißt, die Videos müssen auch ohne Ton funktionieren, zum Graus der Video-Macher auch im vertikalen Format.

„If you cant pitch your Video in 25 Characters, dont make it!“ sagte Alex Jayling von BBC. Man muss seine Zielgruppe kennen – ja besessen davon sein, sich dieser dann anpassen und für sie relevant sein. Wenn es eine Brand nicht schafft, im Youtube-Titel mit 25 Zeichen auszukommen, dann erfüllt sie diese Kriterien nicht.

Ein weiterer Satz, der hängengeblieben ist: „Know where the heart of your brand is“. Kombiniert mit einer guten Story kann ein Video wie jenes von Kleenex entstehen.

https://youtu.be/YHH6oQl9z5k

Schafft man es, Menschen mittels eines Videos zum Lachen oder auch zum Weinen zu bringen, öffnet das Türen zu einer völlig neuartigen Beziehung zum Konsumenten.

Überrascht hat mich auch, dass der Song Renegades (150.000.000-mal abgespielt auf Spotify) Branded Content von  Jeep für das gleichlautende Modell war.

Influencer

Der Gründer der Agentur gleamfutures, die unter anderem den Youtube-Star Alfi Deyes unter Vertrag haben, gab uns einen Ratschlag, der besonders im Nachklang logisch klingt, in der Realität aber noch viel zu selten umgesetzt wird: Er appellierte an uns, bei der Auswahl von Influencern weniger auf ihre mögliche Reichweite zu achten, als auf ihre maximal mögliche Authentizität in Kombination mit der beworbenen Brand.

Vlogging und Blogging sind längst über den Status des „Bedroom Hobbies“ hinausgewachsen. Die Autoren und Akteure sind mittlerweile echte Profis auf ihrem Gebiet und verstehen es, sich geschickt in Szene zu setzen und Product Placement zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort durchzuführen.

Entscheidend ist die Frage, wie gut sich die Rolle des Vloggers/Bloggers mit einer Marke kombinieren lässt und wie man beide Elemente einsetzt, damit sich das Publikum des Testimonials und die Zielgruppe der Brand gleichermaßen mit dem daraus entstandenen Content identifizieren können.

Ein besonders gutes Beispiel für eine authentische Kooperation mit einem solchen Testimonial hat Mercedes-Benz abgeliefert, als ihr Werbevideo mit Casey Neistat in die Öffentlichkeit kam. Casey Neistat ist Techie, Skater und wurde mit täglichen Einblicken in sein unkonventionelles Leben in der Großstadt New York zum Youtube-Star. Eben dieser drehte für Mercedes ein Werbevideo für den Mercedes-Benz CLA, in dem er sich von dem Auto ziehen ließ und dabei die amerikanische Flagge in die Luft hielt. Ein Video, das so normalerweise nicht von Mercedes-Benz produziert werden würde, aber perfekt in das Umfeld des Stars passt.

Was der Influencer in dem Werbevideo macht, muss authentisch sein und gleichermaßen für sein eigenes Publikum wie auch für die Zielgruppe der Marke ansprechend sein.

Bots will be the future

Am #Engage2016 wurde deutlich erkennbar, welche große Rolle Chat Bots im Online Marketing in der nahen Zukunft spielen werden und welche große Bedeutung ihnen bereits jetzt zukommt. Stellvertretend für die Vorreiter auf diesem Gebiet sprach Gert Wim ter Haar von KLM Royal Dutch Airlines über die großartigen Möglichkeiten, die sich daraus ergeben.

KLM setzt Bots nahezu am Optimum des aktuellen Entwicklungsstandes ein. Fluggäste erhalten über Chat Bots sowohl ihre Tickets als auch etwaige Informationen über Flugverspätungen. Dabei setzt KLM auf den Grundsatz „Mobile Only“ statt „Mobile First“. Nur auf diese Weise gelangen wichtige Informationen zu jenem Zeitpunkt zu den Flugpassagieren, an dem diese sie auch wirklich benötigen. Bereits vor dem Einsatz der Bots versprach KLM seinen Kunden eine Response-Time von höchstens 60 Minuten auf etwaige Anfragen, jetzt lautet das Versprechen: „Response to when you need it“.

Als Ergänzung für die Chat Bots müssen weiterhin Menschen agieren, da die automatischen Nachrichtensysteme bislang nur auf vorher festgelegte Standardanfragen reagieren können. Durch den Einsatz von menschlichen Support-Mitarbeitern als Backup fließen Wertschätzung und Individualität in die Kommunikation mit ein.

Bei diesem Vortrag fühlten wir uns ein Stück weit zurückerinnert an unsere Twitter-Kampagne „SecretOf99“, für deren Umsetzung ebenfalls ein Chat Bot eingesetzt wurde. Dabei konnten wir einen Eindruck davon gewinnen, welche großartigen Möglichkeiten sich durch die Automatisierung von Chatabläufen ergeben und welche komplexen Projekte dadurch realisierbar werden.

3 coole Tools

Drei außergewöhnliche Tools wurden am #Engage2016 vorgestellt, die uns auch jetzt noch begeistern:

Blab

Blab gibt jedem User die Chance, seine eigene Online Show zu veranstalten. Die App, die als kleines Slack-Plugin startete und sich aktuell in der Beta-Phase befindet, erlaubt es 2-4 Usern gleichzeitig, on air eine Konversation zu führen und diese optional vollständig oder teilweise aufzunehmen, während andere User in einem Live Chat über das Gesagte diskutieren können. Diverse Personen der Öffentlichkeit nutzen Blab bereits für Interviews, Diskussionen oder Coaching-Sessions.

Tweepi

Tweepi erleichtert das Suchen zielgruppenrelevanter User auf Twitter und hilft dabei, sich mit diesen in Verbindung zu setzen. Relevante Accounts können anhand ihrer Interessen, Listen, Tweets oder vieler weiterer Kriterien gefunden werden. Darüber hinaus bietet Tweepi die Möglichkeit, diesen Accounts zu folgen, sie zu einer Liste hinzuzufügen oder sie in einem Tweet zu erwähnen.

Switch Board

Switchboard ist eine one-to-many-Lösung, die das Video-Livestreaming revolutioniert. Über switchboard gestreamte Videos werden ohne zusätzlichem Aufwand auf alle gewünschten Social-Media-Channels und auf relevanten Websites gestreamt. Bereits jetzt beweist sich switchboard als besonders effektiv, im Vergleich zu bezahlter Werbung und Social-Media-Kampagnen liefert es höhere Reichweite zu niedrigeren Kosten.

Engage-Robert In einem Workshop für (Live-)Video war die Aufgabe, eine kreative Videostrategie für einen Computerspielhersteller zu entwickeln. So sehen die glücklichen Gewinner aus :)

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