Gerade Online-Shops haben mit einer hohen Rücksendequote zu kämpfen. Man weiß schließlich nicht, in welcher Größe die Hose passt, die Verarbeitung der Geldbörse dem Eindruck entspricht, das das Vorschaubild vermittelt oder die Küchenmaschine so leise ist, wie erwartet – was nicht gefällt, wird kostenlos retourgeschickt. Mit 13. Juni trat nun jedoch eine neue EU-Richtlinie über Verbraucherrechte in Kraft, welche die Regeln für rückgesendete Artikel festlegt und europaweit vereinheitlicht. Versandhändler wie Amazon oder Zalando können nun die Rücksendekosten ihren Kunden in Rechnung stellen.

Auch wenn diese Versandriesen an ihrem Gratisrücksendung nichts ändern wollen, wird nach einer Möglichkeit gesucht, die oft sehr hohen Retourenquoten zu verringern (bei Zalando liegt diese immerhin bei rund 50 Prozent), denn gerade bei kleinen Online-Händlern kann dies zu einer großen finanziellen Belastung werden.

Produktvideos führen zur Senkung der Retouren

Auch wenn die Produktion eines Produktvideos einen erhöhten Aufwand bedeutet, zahlt sich dies vielfach aus: Nicht nur, dass 96% der Kunden eine solche Artikelpräsentation als hilfreich bei der Kaufentscheidung empfinden und sie dem Unternehmen zu einem positiven Eindruck und einer engeren Kundenbindung verhelfen – Produktvideos führen auch zu einer Steigerung des Absatzes und einer wesentlichen Senkung der Retouren.

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Produktvideos auf der Startseite führen dazu, dass Kunden länger auf dieser bleiben und sie mit höherer Wahrscheinlichkeit auch etwas kaufen. Bild

Warum uns Produktvideos positiv beeinflussen

Heutige Internetnutzer sehen mehr Online-Videos als jemals zuvor. Wie eine Studie zeigt, konsumieren bereits 94% der Befragten ein Video pro Woche. Bei den 18 bis 24-Jährigen ist dieser Wert noch um einiges höher. Der Mensch ist jedoch nicht nur an das Video gewöhnt, sondern reagiert durch seine Konditionierung auf Bewegungen und Sprache mehr als auf reinen Text.

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Internetnutzer reagieren auf Videos positiv – dieses positive Gefühl färbt auf das Unternehmen ab. Bild

Es gibt verschiedene Möglichkeiten von Produktvideos

Besonders für kleine Online-Händler ist die Hürde hoch, Produktvideos zu erstellen – es gibt jedoch für jedes Unternehmen die passende Möglichkeit um Videomaterial auf der Website anbieten zu können:

1. Automatisiert erstellte Produktvideos

Es gibt zahlreiche Produktionsfirmen, die sich auf die automatisierte Erstellung von Produktvideos spezialisiert haben. Dazu werden lediglich eine genaue Produktbeschreibung und einige Produktfotos benötigt, aus welchen durch einen Algorithmus ein mit Musik unterlegter Videoclip entsteht. Diese Art empfiehlt sich dann, wenn man über eine sehr große Artikelmenge verfügt und diese mit minimalen Aufwand in Szene setzten möchte. Das visuelle Potenzial eines Produktvideos wird hier jedoch nicht voll ausgeschöpft.

2. Manuell erstellte Produktvideos

Wie man am Beispiel von Amazon sehen kann, benötigen oft erklärungsintensive Artikel Videos, um den Kunden beispielsweise das Produkt im Einsatz zu präsentieren und ihnen so Anwendungsgebiete aufzuzeigen, welche sonst eventuell unbekannt geblieben wären.

3. Persönliche Erklärungsvideos

Diese Videos kommen einer persönlichen Beratung nahe, da in ihnen ein virtueller Fachmann auf detaillierte Art und Weise auf die Besonderheiten und Vorteile des Produktes eingeht. Man erzeugt so Glaubwürdigkeit beim Kunden. Auch wenn diese Art des Produktvideos einen erheblichen Mehraufwand bedeutet, rentiert sich das besonders bei Artikeln, die sich entweder durch Autorität auf dem jeweiligen Gebiet oder durch reine Sympathie verkaufen. Zu sehen ist dies am Beispiel Thomann: Wenn man beispielsweise ein Audiointerface online verkaufen will, muss man den Kunden zumindest zeigen, welche Features das Gerät hat und für welche Anwendungsbereiche es geeignet ist. Thomann hebt dieses Konzept jedoch auf die nächsthöhere Stufe, da die Produkte von Musikern vorgestellt werden – das erzeugt zusätzliche Glaubwürdigkeit.

Produktvideos bedeuten einen Mehraufwand, der sich jedoch lohnt

Den Videos gehört die Zukunft des Onlineverkaufs, dies zeigt schon die Tatsache, dass 56% der gesamten Internet-Bandbreite durch Videostreaming belegt sind – Tendenz steigend. Des Weiteren führt ein Produktvideo dazu, dass Seitenbesucher zweimal so lange auf der Page bleiben als wenn kein Video vorhanden wäre. Nicht zu vergessen: Ein ansprechendes Video auf der Landingpage führt zu einer Erhöhung der Conversionrate um 80% - viele Gründe sprechen also dafür, dass sich der Mehraufwand für ein Produktvideo lohnt!

Habt ihr bereits Erfahrungen mit einem Produktvideo gemacht? Ich würde mich sehr über Kommentare freuen!