Gleich nach der Einführung des neuen Instagram-Features „Instagram-Stories“ hat Viktoria Urbanek in einem Blogpost das neue Feature genau unter die Lupe genommen. Die große Frage lautete: sind Instagram Stories eine billige Kopie von Snapchat?

Da sich Instagram seit dem Blogartikel enorm verändert hat, ist es Zeit für eine neue Bestandsaufnahme. Eines vorweg: Instagram hat sich extrem gut entwickelt. Bereits zwei Wochen nach dem Release der Instagram Stories wurde das neue Feature von 100 Millionen Nutzer genutzt.

Was ist neu bei Instagram Stories?

Seit dem Sommer sind zu den drei verschiedenen Stiften als Zeichentool auch noch Sticker dazugekommen. Die Sticker können gedreht, vergrößert und verschoben werden. Und das kennen wir schon, und zwar von Snapchat.

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Damit nicht genug, neben den statischen Stickern bietet Instagram mittlerweile auch dynamische Sticker an. In drei verschiedenen Designs kann die Uhrzeit, Location und die Temperatur über die Story gelegt werden. Für spezielle Anlässe bringt Instagram zusätzliche Sticker. Zu Weihnachten beispielsweise gab es unter anderem Wollsocken, einen Tannenbaum und eine Mütze vom Weihnachtsmann. Smells like Snapchat.

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Während Boomerang lange Zeit eine eigenständige App von Instagram war, ist diese jetzt bei den Instagram Stories integriert. Und das war ein Volltreffer. Diese Funktion erfreut sich größter Beliebtheit und erhöht den Spaßfaktor von Instagram enorm. Und diese Funktion ist wirklich nicht von Snapchat kopiert.

Neu ist auch Hands-Free. Hands-Free ermöglicht endlich das Filmen, ohne den Daumen während der Aufnahme am Display halten zu müssen.

Die Highlights

Ein wirklich großer Wurf waren die Mentions, Links, Lesezeichen und Instagram Live. Endlich können Instagrammer von einer Story direkt zu einer Website weiterlinken. „See more“, bzw. „Weiterlesen“ führt direkt auf die gewünschte Website. Das gefällt uns.


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Darüber hinaus können in den Stories andere Accounts verlinkt werden. Blogger verwenden diese Funktion gerne, um die Hersteller zu taggen. Native Advertising at it’s best. Eine persönliche Sammlung der schönsten Fotos, welche man auf Instagram entdeckt hat, lässt sich jetzt dank der Lesezeichenfunktion anlegen.

Das nächste große Ding ist Instagram Live. Seit Januar kann man auf Instagram bis zu einer Stunde live Videos senden. Und Instagram sorgt für hohe Reichweite durch Push-Benachrichtigungen.

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Der entscheidende Vorteil von Instagram Live ist, dass anders als auf Facebook das Video nicht gespeichert wird. „Deine Live-Story verschwindet sofort aus der App, wenn du fertig bist, so dass du ganz einfach alles jederzeit teilen kannst“, so Instagram. Wiederum „inspiriert“ von Snapchat führte Instagram selbstlöschende Fotos und Videos ein und nennt dies Instagram Direct.

Völlig neue Möglichkeiten des Story Tellings

Instagram Stories erweitern den kreativen Gestaltungsspielraum erheblich. Mittlerweile ist auf Instagram Platz für Behind-the-scenes-Aufnahmen und nicht nur inszenierte Hochglanzfotos. Ein gutes Beispiel liefert Ryanair, welche den Followern am Flugtraining der angehenden Pilotinnen und Piloten teilhaben lässt. Das ist nicht nur eine schöne Anerkennung für die FlugschülerInnen, sondern auch ein niederschwelliger Einblick in das Unternehmen.


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Eine weitere schöne Art des Storytellings zeigt National Geographic. Zwar Hochglanz, aber nicht weniger packend. Es wirkt beinahe, als würde man sich eine Keynote ansehen.

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Stories, die Lust auf mehr machen

Die Reichweite von Stories ist enorm und man sieht nicht nur, wie viele Leute sich die Story angesehen haben, sondern auch wer. Die österreichische Bloggerin berriesandpassion zeigt uns, wie man dieses Potential ordentlich nutzen kann. Sie postet einen Screenshot von ihrem Feed, übermalt das Foto von ihrem neuen Tattoo und lockt die Follower wieder auf ihren Feed. Daneben benutzt der Fotograf Chris Burkard Stories, um exklusiven Content zu verbreiten. NICE.


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What‘s next?

Instagram wurde mit den neuen Features auf jeden Fall etwas verrückter und spielerischer. Ganz neu dabei ist jedoch wenig, sondern von anderen Plattformen inspiriert, um es mild auszudrücken. Und selbst die vielen neuen, witzigen Funktionen von Instagram haben nichts an der Tatsache geändert, dass es ein Hochglanzmedium ist.

Aber eines dürfte somit klar sein: Facebook hat den Versuch, Snapchat zu kaufen, endgültig aufgegeben. Stattdessen wird Instagram massiv ausgebaut. Und das auf Kosten von Snapchat. Influencer berichten, dass die Views von Snapchat Stories um 15-30% eingebrochen sind. Nick Cicero, CEO von creative studio, spricht gar von einem Rückgang bis 40 %. Autsch.

Gleich bleibt jedoch, dass Snapchat immer noch deutlich jüngere User hat und Instagram Stories nach wie vor weniger Hirnfasching, um es in den Worten von Viktoria auszudrücken, ist. Der große Unterschied zwischen den Plattformen bleibt: Instagram ist für Follower und die große Öffentlichkeit gedacht ist und Snapchat eine lustige App für Freunde.

Mit besonderer Spannung wird der geplante Börsengang von Snap Inc. erwartet. Sorgen um Snapchat muss sich wohl niemand machen, denn Geofilter und Lenses können $500,000 pro Werktag kosten, an Feiertagen sogar bis zu $750,000. Abzuwarten ist, wie sich die streng limitierten Snapchat-Brillen Spectacles entwickeln. In Europa sind sie zur Zeit noch nicht erhältlich.

PS: Instagram bastelt gerade an einer Möglichkeit, Fotoalben zu posten.