Werbung hat einen schlechten Ruf: Sie nervt. Dabei ist Werbung nur dann nervig, wenn sie für den Empfänger uninteressant ist. Wenn ich als Mann Werbung für Damen-Hygieneartikel bekomme, ist das knapp an der Zielgruppe vorbei. Als Alternative-Rocker interessiert mich auch das neue Rihanna-Album nicht.

Andererseits wird das Hofer-Flugblatt von vielen gerne durchgeblättert. Und als Kinofan freue ich mich über den wöchentlichen Newsletter mit den aktuellen Filmstarts.

Die Aufgabe der Werbetreibenden ist es also, Werbung direkt zur interessierten Zielgruppe zu bringen. Das ist beim Beispiel Hofer jeder, der einen Haushalt hat (darum eignet sich die Postwurfsendung hervorragend), Kinos müssen dafür sorgen, dass sie viele Newsletter-Abonnenten sammeln.

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Unglaubliche Targeting-Möglichkeiten

Was aber, wenn meine Zielgruppe etwas spezieller ist und ich keinen wöchentlichen Newsletter mit aktuellen Neustarts schicken kann? Online-Marketing bietet hier nahezu unglaubliche Möglichkeiten des Targetings: Ich möchte Frauen zwischen 18 und 25 erreichen, die auf Popmusik stehen und gerne Wein trinken. Meine Zielgruppe sind 50- bis 65jährige Menschen aus Wien mit einem Faible für Motorräder. Was wie die Werbung für eine Single-Plattform klingt, ist bei uns tägliche Realität.

Beispiel einer Targeting Einstellung für Facebook Ads Beispiel einer Targeting Einstellung für Facebook Ads

Nun stellt sich aber natürlich die Frage, wie diese Zielgruppen eingeschränkt werden können. Datenschützer warnen ja immer wieder davor, dass Google und Facebook die Daten ihrer Nutzer an die böse Werbebranche weitergeben. An dieser Stelle eine wichtige Anmerkung: Ich bin ein großer Verfechter von Datenschutz und Privatsphäre, aber ein Gegner von blinder Verteufelung moderner Konzepte.

Was weiß Facebook über mich?

Bei Facebook ist die Sache relativ offensichtlich: Jeder Nutzer gibt Facebook freiwillig Informationen wie Geschlecht, Alter, Wohnort usw. Über die Seiten, die geliket werden, erkennt Facebook die Interessen und Vorlieben. Wer z.B. Nirvana liket, fällt damit auch in die breiter gefasste Gruppe von Alternative Rock oder Grunge.

Mein Facebook Profil ist quasi ein offenes Buch Mein Facebook Profil ist quasi ein offenes Buch

Wichtig ist aber zu wissen, dass ich als Werbeagentur nicht auf die persönlichen Daten einer gezielten Person zugreifen kann, wenn ich nicht mit dieser Person befreundet bin. Ich habe hier oft den Eindruck, als würde das Bild geschaffen, dass wir zu Facebook gehen und sämtliche Informationen über Max Mustermann aus Musterhausen erfragen können.

Was weiß Google über mich?

Google macht die ganze Sache schon etwas versteckter. Wenn man nicht gerade auf Google+ aktiv ist (und – seien wir ehrlich – wer ist das schon?), kann Google nicht so ohne weiteres auf freiwillig gegebene Daten zugreifen.

Der Suchgigant macht das ganz geschickt: Sämtliche Daten, die die Benutzer in ihre Dienste (Websuche, Maps usw.) eingeben, werden erfasst und ausgewertet. So entsteht ein ziemlich genaues Persönlichkeitsprofil. Überlegen Sie mal, wonach Sie so suchen...

Tatsächlich brauchen Sie gar nicht zu überlegen. So können Sie nachschauen, was Google über Sie weiß (oder glaubt zu wissen):

  1. Gehen Sie auf google.com/settings
    Sie sehen dort allgemeine Informationen über Ihren Google Account
  2. Scrollen Sie nach unten zu „Kontotools“
    Dort finden Sie Tools zur Verwaltung Ihres Kontos
    google-kontoeinstellungen
  3. Klicken Sie auf „Kontoverlauf“
    Sie sehen nun alle möglichen Daten, die Google zu Ihnen gesammelt hat: Suchanfragen, angesehene YouTube-Videos, usw.
  4. Scrollen Sie ganz nach unten und klicken Sie auf „Anzeigen“
    Die Bezeichnung ist auf deutsch etwas irreführend, es geht hier um die „Einstellungen“ zu Werbeanzeigen.
    Google-Kontoverlauf
  5. Et voilà – hier sehen Sie, wie Google Sie einschätzt
    Besonders interessant ist hier wohl der Punkt „Interessen“, unter dem Sie die genaueren Informationen finden. Es kann schon etwas creepy sein, zu sehen, wie genau man getroffen wird (manche Dinge sind aber auch sicher Schrott)
    Google-Anzeigeneinstellungen

Datenschutz vs. personalisierte Werbung

Zusammenfassend: Ja, Google und Facebook sammeln Daten über ihre Nutzer. Und ja, natürlich stellt uns das vor moralische Fragen, die so vielleicht noch nie gestellt wurden. Aber diese Daten geben wir (mehr oder weniger) freiwillig her. Und sie werden verwendet, um Werbung (die letztendlich die kostenlose Verwendung der Tools ermöglicht) personalisiert anzuzeigen.

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