Das Jahr 2016 war aus Web-Development-Sicht ein ereignisreiches Jahr, selbst in den Maßstäben dieser immer schon schnelllebigen Branche. HTML5 und CSS3 sind von den gängigsten Browsern bereits so gut unterstützt, dass ihr Einsatz bedenkenlos gerechtfertigt ist. Auch in der Werbebranche hat HTML5 Einzug gehalten: mit Adobe’s Animate kam ein stabiles Tool zum Erstellen moderner Banner unter Verwendung der HTML5 Canvas API und nahm Adobe’s Vorgängerprodukt - Flash - auch hier die Daseinsberechtigung. Analog dazu haben weitere Browser-Hersteller die standardmäßige Unterstützung von Flash eingestellt, zuletzt Mozilla’s Firefox Ende des Jahres 2016. Zeit für einen kleinen Rückblick - gekoppelt mit einer Aussicht auf das neue Jahr.

CSS im Jahr 2016/2017

2016 war das erste Jahr, in dem man das in CSS3 spezifizierte Flexbox-Layout guten Gewissens einsetzen konnte. Dieses ermöglicht erst die dynamische Platzaufteilung, die in Zeiten unterschiedlichster Bildschirmgrößen so wertvoll ist. War davor noch mit dem üblichen Kandidaten (Internet Explorer bis Version 9) ein nennenswerter Marktanteil der Browser nicht fähig, mit dem Flexbox-Layout zu arbeiten, haben wir auch durch die Veröffentlichung von Windows 10 mit dem neuen Edge-Browser einen nennenswerten Anstieg der CSS3-Kompabilität erfahren.

2017 dürfte ein weiteres revolutionäres Layout-Modell bringen: Das CSS-Grid-Module. Dieses ermöglicht erstmals absolute Freiheit bei der Ausrichtung verschiedener Layout-Elemente. War das Konzept des “Grid”-Systems schon lange wichtiger Bestandteil des Webs, war man bisher stets auf Workarounds angewiesen. Frameworks wie Twitters “Bootstrap” ermöglichen zwar bereits die Aufteilung des Screens in ein Grid, sie sind jedoch noch immer dem strikten Fluss (“Links->Rechts, Oben->Unten”) unterlegen und bedienen sich gewisser Tricks, um diverse Effekte zu erzeugen (e.g. “Gutter”). Das CSS-Grid-Module wird bei Google’s Chrome und Mozilla Firefox im März 2017 erwartet, in Chrome ist es bereits hinter einer “Flag” enthalten.

CSS Frameworks im Jahr 2016/2017

Für CSS-Frameworks war 2016 ein ruhiges Jahr, die größten Änderungen waren hier rein ideologisch. Ein bemerkenswerter Trend war der Abschied von komplexen Verschachtelungen und Abstraktion hin zu “Component Based Layouting”. So ist es das Ziel, die Hierarchie abzuflachen, jede “Component” wie Buttons, Formularelemente etc. wird eindeutig spezifiziert. So wird CSS wie .article .article-body .btn.btn-xs.btn-danger reduziert und explizit definiert (e.g. .articleDangerButton). Dies nimmt zwar die Möglichkeit der Wiederverwendung, fällt ein “Component” jedoch weg kann auch das dazugehörige CSS klar entfernt werden. Eine weitere Neuerung ist CSS Houdini, das die Cross-Browser-kompatible Eigendefinition neuer CSS-Attribute erlaubt.

Für 2017 dürfen wir uns auf die Veröffentlichung von Twitter Bootstrap 4 freuen. Neben der Einführung eines neuen Breakpoints (XL) für besonders große Screens setzt Bootstrap in seiner neuen Version auch auf das Flexbox-Modell.

JavaScript im Jahr 2016/2017

Das Jahr 2016 brachte eine weitläufigere Unterstützung für die neue Version von JavaScript/ECMAScript ES6. Auch wenn es noch nicht “Production-Ready” ist, hat es dank Precompilern wie Babel und Webpack doch schon Einzug in den täglichen Gebrauch gefunden. Auch serverseitig findet JavaScript immer mehr Verwendung. Nebst reinen Node-Serverapplikationen wird es auch zum serverseitigen Rendern diverser JavaScript Frameworks wie React und Angular2 ergänzend verwendet.

Doch JavaScript lässt nicht nach. Noch bevor ES6 browserseitig umgesetzt wurde, kommt mit ES7/ES2016 bereits die nächste Erweiterung mit Features wie async. Es wird vermutlich 2017 im serverseitigen Bereich und Node-Umgebungen wie im Electron-Framework und React Native mehr Einsatz finden.

JavaScript Frameworks 2016/2017

2016 brachte uns viele Updates zu bestehenden Frameworks und auch einige neue. Mit React 15.0 kam eine große Neuerung zu Facebooks Framework, auch Google veröffentlichte mit Angular 2 einen großen Sprung im beliebten Framework. Nebst komplett neuer API setzt Letzteres auch auf TypeScript und ermöglicht so klare Typisierung. Als weiteren Trend muss man auch den Trend kleinerer Frameworks hervorheben, die darauf hinzielen, besonders den wachsenden Markt in Entwicklungsländern mit meist langsamen 2G-Verbindungen optimaler mit kleineren Dateigrößen beliefern zu können. Den meisten Medienrummel ergatterte hier Vue.js, herauszuheben ist jedoch auch Preact, eine alternative zu React mit hoher Kompabilität bei nur 3 <kb Dateigröße.

Dieser Trend wird sich auch 2017 weitersetzen. Vue.js ist auf dem Vormarsch, auch TypeScript und ähnliche “strongly typed” JavaScript-Supersets werden weiter an Beliebtheit gewinnen. Besonders für Seiten, die sich im weiter ansteigenden Markt diverser Entwicklungsländer durchsetzen müssen, werden auch auf kleinere Frameworks für kürzere Ladezeiten setzen müssen.

Weitere Trends 2016/2017

Das letzte Jahr hat auch in anderen, verwandten Themen einen eindeutigen Trend aufgezeigt. Die Einschränkung vieler Browser, Location-Daten nur bei SSL-Verbindungen zu erlauben, sowie strengere Verbindungs-Richtlinien für Apples App-Store führten bereits 2016 zu mehr SSL-Zertifikaten bei regulären Webseiten und wird 2017 den Trend zu einem sichereren Surf-Erlebnis führen. Auch der klassische REST-Flow dürfte mit GraphQL von den Machern von Meteor einen ernstzunehmenden Gegner finden.

Serverseitig ist SPDY aus seinen Kinderschuhen herausgewachsen und dürfte als HTTP2 das Surf-Erlebnis durch multiple gleichzeitige Verbindungen und vorausschauendes Ressourcen-Übermitteln bevor eine Anfrage getätigt wurde den Markt weiter erobern und wird besonders Entwickler vor die Herausforderung stellen, angelernte Methoden wie Sprites, zusammengefasste Script- und Style-Dateien aufzugeben und wieder auf mehrere Dateien aufzuteilen.

Auch der von Facebook veröffentlichte package-manager YARN als Alternative zu NPM hat 2016 für Furore gesorgt und wird zweifellos 2017 auch noch die verbissensten NPM-Fans überzeugen.